Bibliotheken. Orte der Demokratie
Welche Rolle spielen Bibliotheken für eine lebendige Demokratie und den gesellschaftlichen Zusammenhalt? Und was brauchen Bibliotheken in Schleswig-Holstein, um demokratische Orte zu sein und zu bleiben? Mit diesen Fragen befasste sich am vergangenen Mittwoch (28.10.) das Schleswig-Holsteinische Bibliotheksforum 2026 in Rendsburg. Mehr als 100 Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Bibliothekswesen und Zivilgesellschaft kamenn zusammen, um darüber zu diskutieren, wie Bibliotheken demokratische Teilhabe ermöglichen, den Austausch unterschiedlicher Perspektiven fördern und auf gesellschaftliche Herausforderungen reagieren können.
Kulturstaatssekretär Guido Wendt brachte die Perspektive der Landesregierung ein und hob die gesamtgesellschaftliche Bedeutung von Bibliotheken hervor:
„Bibliotheken fördern den gesellschaftlichen Zusammenhalt vor Ort und bieten Raum für demokratische Aushandlungsprozesse. Über alle politischen Lager und Altersgruppen sowie alle gesellschaftlichen Schichten und Milieus hinaus können hier Menschen in den offenen Austausch gehen. Bibliotheken spielen eine große Rolle beim Informationszugang und der freien Meinungsbildung in Verbindung mit ihrer fachlichen Unabhängigkeit. Wir brauchen sie in der Leseförderung und für Bildungschancen, die nicht von der sozialen Herkunft abhängen.“Guido Wendt
Kulturstaatssekretär
In seinem Grußwort und bei der anschließenden Podiumsdiskussion „Wie können Bibliotheken demokratische Orte sein?“ stand die Frage im Mittelpunkt, wie Bibliotheken ihre Rolle als demokratische Orte stärken und welche Unterstützung sie dafür benötigen. Neben Kulturstaatssekretär Guido Wendt diskutierten die Landtagsabgeordneten Uta Röpcke (Bündnis 90/Die Grünen) und Dr. Michael Schunck (SSW) sowie Claudine Nierth von Mehr Demokratie e. V. über den Beitrag von Bibliotheken zur Stärkung demokratischer Kultur und über die Rahmenbedingungen, die sie dafür benötigen.
Weitere fachliche Impulse setzten Kristin Bäßler von der Bundesgeschäftsstelle des Deutschen Bibliotheksverbands (dbv), die Programme und Formate zur Demokratiestärkung in Bibliotheken vorstellt. Lisa Heyse von mobil.digital animierte die Teilnehmenden, im „Postamt für Demokratie“ Gedanken, Wünsche und Botschaften rund um Demokratie, Zusammenhalt und gesellschaftliches Miteinander kreativ auf Postkarten zu gestalten. Außerdem berichtete die Beraterin für Organisationsentwicklung Teresa Inclán (minc) zusammen mit Melanie Fechner und Ina Lindhout (beide Bibliotheken SH) vom Entwicklungsprozess eines Leitbildes für den Landesverband Bibliotheken SH, der kurz vor dem Abschluss steht.
Am Nachmittag richtete sich der Blick auf die praktische Umsetzung demokratischer Kultur im Bibliotheksalltag. Claudine Nierth (Mehr Demokratie e.V.) lud zu einer Trainingseinheit „Demokratiefitness“ ein. Im anschließenden Praxisteil tauschten sich die Teilnehmenden über konkrete Herausforderungen aus – darunter den Umgang mit Provokationen und die Frage, wie Bibliotheken Haltung zeigen und ihre Rolle als demokratische Orte gestalten können.
Das Schleswig-Holsteinische Bibliotheksforum 2026 verband politische Diskussionen mit fachlichen Impulsen und praxisorientiertem Austausch. Es bot Gelegenheit, unterschiedliche Perspektiven zusammenzuführen und Ideen für die Zukunft der Bibliotheken in Schleswig-Holstein als Orte der Demokratie zu entwickeln. Moderiert wurde die Veranstaltung von Christopher Scheffelmeier (NDR).
Das Schleswig-Holsteinische Bibliotheksforum ist eine gemeinsame Veranstaltung des dbv-Landesverbands Schleswig-Holstein, der Landesgruppe Schleswig-Holstein im BIB und Bibliotheken SH.
Lisa Behrendt